Der Altarraum unserer Kirche

(Archiv der Evang. Gemeinde St. Ilgen)
Die ursprüngliche Gestaltung des Altarraums ist auf unserem Photo aus der Zeit vor der Renovierung (vor 1963) noch gut zu erkennen. Ähnlich wie heute gab es eine Kanzel, die über dem Altar „thronte“ und damit die Predigt in den Mittelpunkt des Gottesdienstes rückte. Dem entspricht auch die halbkreisförmige Anordnung des Kirchengestühls - volle Konzentration auf das Wort Gottes, das in der Predigt ausgelegt wird.
Der originale Hauptaltar ist der Renovierung in den 60er Jahren zum Opfer gefallen. Erhalten blieb bei uns lediglich der Seitenaltar, der z.B. bei Abendmahlsgottesdiensten als Beistelltisch zum Altar und auch sonst als Ablage gedient haben mag. Auf unserem Photo kann man ihn rechts vom Altar an der Seitenwand erkennen. Dieser Seitenaltar steht derzeit auf der Orgelempore.
Bei der Renovierung 1963 wurde der Altarraum dem damaligen Geschmack folgend umgestaltet. Dazu schreibt der zuständige Sachbearbeiter / Architekt (Unterschrift unleserlich) im Evangelischen Kirchenbauamt in Karlsruhe am 20.02.1963 folgendes: „Die Stellung von Altar und Kanzel über- und hintereinander ist nicht glücklich. Eine Änderung dieser Situation wie diese z.B. in der Friedenskirche in Heidelberg-Handschuhsheim und in der evang. Kirche in Karlsruhe-Rüppurr (etwa gleich alt) bei der letzten Renovierung geschehen ist, wäre anzustreben.”
Zum Vergleich dagegen dieses Zitat aus den Aufzeichnungen von Egbert Risch: „In späterer Zeit … erduldete dieser Kirchenbau im Innern einige wenig geglückte Veränderungen. So wurde die hohe, auf zwei Seiten ersteigbare Kanzel durch eine andere, im heutigen Sinn „moderne“ ersetzt.“
Die Kanzel wurde also ganz den Vorstellungen des Kirchenbauamts folgend abgerissen, die beiden Eingänge links und rechts in der Altarwand zugemauert und dafür neue Türen zur Sakristei und zum Treppenaufgang auf die Orgelempore links und rechts vom Altarraum durchgebrochen. Die Wand im Altarraum erhielt einen modischen Anstrich in Orange und der Boden im Altarraum wurde mit einem grauen Veloursteppich ausgelegt. Die Kanzel, wenngleich modern gestaltet, verlegte man - einem viel älteren Vorbild folgend - an die Seite des Altarraums.

(Archiv der Evang. Gemeinde St. Ilgen)
Erst durch die grundsätzliche Sanierung und Restaurierung in den 90er Jahren konnte der originale Zustand wieder weitgehend hergestellt werden. Die ursprüngliche Bemalung wurde freigelegt, aufgefrischt und ergänzt. Wie früher gibt es nun wieder eine von beiden Seiten begehbare Kanzel, wenn auch in moderner Formgebung, und man gestaltete einen dazu passenden Altar.

Die Fenster von Harry MacLean
(von Heidrun Bethe)
Für diese Aufgabe konnte der bekannte Glaskünstler Harry MacLean (1908-1994) gewonnen werden, der ein bereits ausgearbeitetes Gestaltungskonzept für die St. Ilgener Fenster vorlegte. Die von der Heidelberger Glaserei Meysen ausgeführten Entwürfe hatte MacLean zwei Jahre zuvor im Rahmen des Karlsruhers Lutherkirchen-Wettbewerbs eingereicht. Sie waren als zweite Möglichkeit einer Fenstergestaltung empfohlen worden.
Eine künstlerisch überzeugende Lösung für die aus dem Jugendstilbau resultierende Zersplitterung der Fensterflächen musste gefunden werden. In einem Brief an die Gemeinde hielt MacLean fest: „Ich möchte ein durchgehendes Band schaffen, um die Fenster nicht auseinander fallen zu lassen“ (Harry MacLean, Brief an Herrn Rothfuss)
Da dieses Farbband in allen drei großen Fenstern mit anderen Motiven kombiniert ist, muss man die Fenster genauer betrachten, um dieses Band zu entdecken.
Für diese Aufgabe konnte der bekannte Glaskünstler Harry MacLean (1908-1994) gewonnen werden, der ein bereits ausgearbeitetes Gestaltungskonzept für die St. Ilgener Fenster vorlegte. Die von der Heidelberger Glaserei Meysen ausgeführten Entwürfe hatte MacLean zwei Jahre zuvor im Rahmen des Karlsruhers Lutherkirchen-Wettbewerbs eingereicht. Sie waren als zweite Möglichkeit einer Fenstergestaltung empfohlen worden.
Eine künstlerisch überzeugende Lösung für die aus dem Jugendstilbau resultierende Zersplitterung der Fensterflächen musste gefunden werden. In einem Brief an die Gemeinde hielt MacLean fest: „Ich möchte ein durchgehendes Band schaffen, um die Fenster nicht auseinander fallen zu lassen“ (Harry MacLean, Brief an Herrn Rothfuss)
Da dieses Farbband in allen drei großen Fenstern mit anderen Motiven kombiniert ist, muss man die Fenster genauer betrachten, um dieses Band zu entdecken.


Es zeigt als Band den „Strom des lebendigen Wassers“ (aus der Offenbarung des Johannes).

Das westliche Fenster nimmt im Farbband ein Motiv des 90. Psalms auf: „Du lässest sie dahinfahren wie einen Strom, und sind wie ein Schlaf, gleichwie ein Gras, das doch bald welk wird, das da frühe blühet und bald welk wird und des Abends abgehauen wird und verdorret, das frühe blüht...und abends abgehauen wird“.
Den Hauptkompositionsmotiven ordnete MacLean weitere Darstellungen zu. Das Ährenfeldmotiv des - vom Altar aus - linken Fensters wird durch einen Weinstock ergänzt, das Motiv des Emporenfensters durch das „Himmlische Jerusalem”. Die Taufe und Heiliger Geist ergänzen das Grasmotiv des 90. Psalms.
Die unter der Empore liegenden Fenster wurden nicht unmittelbar in das durchgehende Motiv des Farbbands einbezogen und sind lediglich mit dem Motiv des Samenkorns geschmückt.
Den Hauptkompositionsmotiven ordnete MacLean weitere Darstellungen zu. Das Ährenfeldmotiv des - vom Altar aus - linken Fensters wird durch einen Weinstock ergänzt, das Motiv des Emporenfensters durch das „Himmlische Jerusalem”. Die Taufe und Heiliger Geist ergänzen das Grasmotiv des 90. Psalms.
Die unter der Empore liegenden Fenster wurden nicht unmittelbar in das durchgehende Motiv des Farbbands einbezogen und sind lediglich mit dem Motiv des Samenkorns geschmückt.
Unsere Orgel


Die Glocken

Für die kleine Gemeinde St. Ilgen bedeutete der Bau der Kirche trotz mancher Zuschüsse natürlich einen enormen finanziellen Aufwand. Daher verzichtete man bei der Bestellung der Glocken im April 1914 auf die teure Lösung von Bronzeglocken (Im Blick auf den späteren Krieg natürlich ein Glücksfall, denn bei den meisten Kirchen wurden im Lauf des Krieges die Bronzeglocken bis auf je eine konfisziert, um das Material für Geschosshülsen einzuschmelzen). Stattdessen bestellte die Gemeinde drei Gussstahl-Glocken beim „Bochumer Verein für Bergbau und Gussstahlfabrikation“.

(Archiv der Bauabteilung der Evang. Landeskirche in Baden, Photo: JG)
Zu dem Zeitpunkt der Bestellung wurde die Wahl des Materials Gussstahl vom zuständigen „Evang. Orgelkommissariat für das badische Unterland“ jedoch wiederholt kritisiert. „Mit Gussglocken habe ich persönlich noch keine Erfahrungen machen können. Die Fachliteratur steht ihnen meist skeptisch gegenüber oder weiß in einzelnen Fällen zu berichten, der Bochumer Verein habe in beharrlicher Verfolgung seiner Ziele viele der Bedenken zu beseitigen verstanden.“ Besonders hinsichtlich der Tonreinheit gab es Bedenken.
Von Anfang an legte das Orgelbaukommisariat darauf Wert, dass die Töne auf das Geläut der katholischen Kirche abgestimmt wurden, damit es bei gleichzeitigem Läuten nicht zu Dissonanzen komme.
Bereits im September 1914 zeigte der Bochumer Glockenprüfer die Fertigstellung und Prüfung der Glocken mit der Stimmung “gis”-”h”-”d” an. Jedoch verzögerte sich der Einbau des eisernen Glockenstuhls und der Glocken im Turm bis zum Juni 1915.
Die Abnahme der Glocken am 24. Juni durch das Evang. Orgelbaukommissariat ergab folgendes Urteil: „Beim Anhören aus der Nähe waren besonders bei der kleinsten Glocke einige Nebentöne reichlich stark zu vernehmen - vielleicht eine Eigentümlichkeit von Gussstahlglocken. Aus einiger Entfernung angehört, traten die Nebentöne jedoch nicht störend hervor, das Geläute gibt die gewünschten Töne des verminderten Dreiklangs „gis, h, d“ voll, rein, und somit musikalisch befriedigend, an.“
Die Abnahme der Glocken am 24. Juni durch das Evang. Orgelbaukommissariat ergab folgendes Urteil: „Beim Anhören aus der Nähe waren besonders bei der kleinsten Glocke einige Nebentöne reichlich stark zu vernehmen - vielleicht eine Eigentümlichkeit von Gussstahlglocken. Aus einiger Entfernung angehört, traten die Nebentöne jedoch nicht störend hervor, das Geläute gibt die gewünschten Töne des verminderten Dreiklangs „gis, h, d“ voll, rein, und somit musikalisch befriedigend, an.“

Inschriften unserer Glocken:
Die kleinste mit 798 mm Durchmesser, die Taufglocke, trägt die Inschrift „Befiehl dem Herrn Deine Wege“ (Psalm 37,5).
Die mittlere Glocke, die Gebetsglocke, hat einen Durchmesser von 915 mm. Ihre Inschrift lautet: „Lasset Euch versöhnen mit Gott!“ (2. Korinther 5,20).
Die mit 1124 mm Durchmesser größte, klanglich tiefste Glocke dient der Gemeinde bei Traueranlässen und trägt die Inschrift „Friede auf Erden“ (Lukas 2,14).
Die mittlere Glocke, die Gebetsglocke, hat einen Durchmesser von 915 mm. Ihre Inschrift lautet: „Lasset Euch versöhnen mit Gott!“ (2. Korinther 5,20).
Die mit 1124 mm Durchmesser größte, klanglich tiefste Glocke dient der Gemeinde bei Traueranlässen und trägt die Inschrift „Friede auf Erden“ (Lukas 2,14).

